Tätigkeit 1987-2002

Tätigkeitsbericht 1987-2002

Rückschau und Ausblick der Tätigkeit des Fördervereins nach 15 Jahren (1987-2002)

Ausgangssituation für die Vereinsarbeit

In den achtziger Jahren wurde die Notwendigkeit erkannt, daß die alten und wertvollen Buchbestände, die allein schon durch ihr Alter, aber auch vor allem durch den Zweiten Weltkrieg stark gelitten hatten, nicht nur verwahrt, sondern auch aktiv gefördert werden mußten. Dieses Bedürfnis war bedingt vor allem durch eine neue Wahrnehmung des Wertes der alten Bücher als solcher und nicht nur – wie es früher oft der Fall war – als reines Trägermaterial für schriftliche Überlieferung. So trat die kultur- und geistesgeschichtliche Bedeutung nicht nur der Texte, sondern der Bücher selbst ins Blickfeld. Dinge wurden bedeutsam, denen man vorher vielfach kaum Beachtung geschenkt hatte: Besitzvermerke, Einbandgestaltung, Buchblockbearbeitung, Druckerumfeld, Bibliothekenzusammenhänge usw. Die Zeit also war reif und erforderte nun, um dem weiteren Verfall zuvorzukommen, schnelles Handeln. So kam es am 21. Januar 1987 zu formellen Gründung des als gemeinnützig anerkannten eingetragenen Vereins. Daß dies nicht nur innerhalb der Bibliothek ein großes Bedürfnis war, sondern auch der nichtbibliothekarischen Öffentlichkeit, zeigt sich daran, daß von Außenstehenden (u.a. Angehörigen der Paderborner Hochschulen) die Gründung des Vereins eigentlich initiiert wurde. Als Mitglieder des Vereins engagieren sich Hochschulprofessoren, Lehrer, Angestellte, Studenten und solche Benutzer, die die Bibliothek kennen und offensichtlich schätzen gelernt haben.

 

Was ist nun in den vergangenen 15 Jahren geschehen?

Es war von vorn herein klar, daß das Einwerben von Spenden für Restaurierungsarbeiten den zentralen Anteil der Vereinarbeit ausmachen würde. Um eine besondere Identifikationsmöglichkeit der potentiellen Spender mit den Buchbeständen zu ermöglichen, wurde nach amerikanischem Vorbild erstmals in Deutschland auch die Übernahme von Buchpatenschaften vorgesehen. Der Buchpate wird dabei in einen Patenschaftsbrief eingetragen, der in das restaurierte Buch eingeklebt wird.

Für einige der bedeutendsten Werke wie etwa das Abdinghofer Graduale, oder die Halberstädter Bibel fanden sich schnell Patenschaften. Auch der berühmte Blaeu-Altas, die astronomischen Schriften des Johannes de Sacro Bosco oder der Fasciculus medicinae konnten besonders durch Spenden von Banken bald restauriert werden. Weitere Werke wie etwa das karolingische Corveyer Evangeliar oder die sog. um 1250 entstandene Perlbibel wurden von bekannten Paderborner Persönlichkeiten privat als Patenbücher übernommen. Nicht zuletzt kamen durch viele kleinere Spenden der Vereinsmitglieder Beträge zusammen, die es ermöglichten, zahlreiche bedrohte Werke zu restaurieren. Mehr als 300 wertvolle Bücher wurden bis heute einer grundlegenden Erneuerung unterzogen.

Buchrestaurierung ist langwierige Handarbeit und entsprechend teuer. In den letzten fünfzehn Jahren konnte der Verein mehr als 320.000,- DM als Spenden für diese Zwecke einwerben. Neben den Vereinsgeldern erhielt die Bibliothek auch vom Träger und anderen öffentlichen Stellen Mittel zur Erhaltung des wertvollen Buchbestandes. Diese Zuschüsse in einer Gesamthöhe von rund 130.000,- DM sind zwar nicht über den Verein geflossen, haben aber nichtsdestoweniger die Bemühungen des Vereins gefördert und müssen im Sinne der Bibliothek hinzugerechnet werden. Alles in allem also konnten Restaurierungsmittel in Höhe von rund 450.000,- DM eingesetzt werden.

Auch die Präsentation der wertvollen historischen Bestände in der Öffentlichkeit ist nicht minder wichtig ist. Auch hier sieht sich der Verein in enger Zusammenarbeit mit der Bibliothek in die Pflicht genommen. Erst durch das Zeigen und Öffentlichmachen der Schätze kann ein Gespür in der Bevölkerung für die Notwendigkeit der Erhaltung dieser Kulturgüter entstehen.

In Vorträgen, Publikationen, Ausstellungen, Führungen versuchten Bibliothek und Verein in stets gemeinsamen Aktionen das Anliegen der Erhaltung und Förderung der Buchkultur unter die Leute zu bringen. Den ersten unmittelbaren Kontakt bekam dann die Öffentlichkeit ein halbes Jahr nach der Vereinsgründung, im Juli 1987, als bei einer Vernissage die bis dahin ziemlich verborgenen Schätze ans Licht kamen – und jeder konnte sich vom Zustand ein entsprechendes Bild machen. Es folgten Ausstellungen wie "Liturgica Paderbornensia“ oder "Natur und Medizin“, die große Beachtung fanden. Ende 1995 konnten aufgrund der Ausstellung „Ferdinand von Fürstenberg und seine Bücher“ zahlreiche, auch kleinere Werke aus der Sammlung des bedeutenden Paderborner Fürstbischofs restauriert werden. Ein Gesamtüberblick über alle wertvollen Bibliotheksbestände wurde erstmals 1996 zum 100jährigen Jubiläum der Bibliothek versucht: Pretiosa aus der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek. Bücher, Urkunden, alte Landkarten, Graphik, Photodokumente. In den folgenden Jahren setzten thematische Ausstellungen die Tradition fort bis 2001; im Schloß Corvey wurde "Der Neuaufbau der Corveyer Klosterbibliothek nach dem Dreißigjährigen Krieg“ anhand zahlreicher Originalwerke aus der alten Klosterbibliothek gezeigt. An all diesen Ausstellungen hat der Förderverein zumindest dadurch ursächlich mitgewirkt, daß diese überhaupt erst möglich wurden, nachdem die Bücher restauriert worden waren. Zuletzt muß ein wirkliches Highlight noch Erwähnung finden, nämlich die Publikation des Inkunabelkatalogs 1993. Kaum ein anderes Ereignis hat derart nachhaltig in der vor allem wissenschaftlich interessierten Öffentlichkeit gewirkt. Dieses maßgeblich von Michael Reker erarbeitete Werk machte vor allen auf einen Blick deutlich, um welche Schätze und Kostbarkeiten es sich bei den Inkunabeln in der Akademischen Bibliothek handelte. Vor allem aber wurde jedem klar, wie notwendig die Arbeit des Fördervereins tatsächlich war - und es ist zu ergänzen: bis heute ist. Mit der Veröffentlichung des Inkunabelkatalogs und einem Nachtrag dazu von 1998 ist der Teil "Erschließung" im Inkunabelbereich jetzt abgeschlossen.

Im Jubiläumsjahr 1996 konnte ein weiterer Erschließungsbereich vorläufig abgeschlossen werden: Die Verzeichnung der mittelalterlichen Handschriften von Ulrich Hinz. Es handelt sich dabei um eine Kurzbeschreibung der einzelnen Bände im Zusammenhang mit der Erarbeitung eines Handschriften-Zensus für Westfalen unter Federführung der Universitäts- und Landesbibliothek Münster.

Weitere Erschließungsprojekte sind noch nicht in konkreter Vorbereitung, könnten sich jedoch insbesondere auf die Postinkunabeln beziehen.

Ziel des Vereins heute ist es, das, was sich in den vergangenen fünfzehn Jahren als gut und positiv erwiesen hat, weiterzuverfolgen, d.h. weiterhin kontinuierlich fortzufahren mit den Restaurierungen, denn es ist noch genug zu tun. Auch die Präsentationen, Ausstellungen, Führungen werden in Zukunft weiterhin stattfinden, um zu zeigen, daß das Engagement für die Kulturgüter unserer Region sich auszahlt nicht nur für die heutige Zeit, sondern auch für die kommenden Generationen.

 

Statistik 1987-2002:

  • Zahl der Mitglieder am 1.1.2002: 128
  • Restaurierte Werke: ca. 300 Handschriften und alte Drucke
  • Eingeworbene Spenden: ca. 320.000,- DM
  • Beteiligung an größeren Ausstellungen: 20